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Die Geschichte der Stadt (1931)

Die Geschichte der Stadt, Teil 8

(Geschätzte Lesezeit: 4 - 8 Minuten)

Feuers- und Wassersnöte

Die Berichte über die gewaltigen Feuersbrünste der Jahre 1316-17, 1518, 1522, 1577 und 1703, bei denen die Stadt Gronau jedesmal ganz oder doch größtenteils zerstört worden ist, haben ihren Platz in der "Allgemeinen Geschichte" gefunden, weil sie nicht aus dem Entwicklungsgange der Stadt losgelöst und gesondert für sich betrachtet werden können. Aber auch später noch ist Gronau wiederholt von Schadenfeuern nicht geringeren Ausmaßes heimgesucht worden.

Bereits 55 Jahre nach dem letzterwähnten großen Brande, am 28. Oktober 1758, brach wieder ein Feuer aus, das 108 Wohngebäude und 72 Scheunen einäscherte. Hierbei kamen 5 Menschen ums Leben, nämlich Heinrich Brandes und seine Mutter, Hans Heinrich Steinmeyers Witwe und zwei Kinder Schmitt. Das Feuer war im Hause Philipp Hagemanns zum Ausbruch gekommen.

Im Jahre 1791, am 27. Juli, mittags 1 Uhr, kündete die Feuerglocke abermals einen Brand an: 20 Gebäude, darunter die zweite Pfarre, wurden ein Raub der Flammen.

Nur 4 Jahre später, am 1. November 1795, einem Sonntage, suchte wieder ein schweres Feuer die Stadt heim. Während des Gottesdienstes hatte die Dienstmagd des Bauern Heinrich Andreas Severin die Scheune ihres Herrn in Brand gesteckt. 50 Gebäude, meistens mit Getreide gefüllte Scheunen, wurden zerstört. Seitdem ist der 1. November etwa 100 Jahre lang alljährlich als Brandbußtag begangen worden. 

In der Zeit von 1808 bis 1812, während der westfälischen Herrschaft, zählte man 6 Feuersbrünste, davon 3 größere: das am 21. Mai 1810 um Mitternacht in der Scheune des Ackermanns Deike entstandene Feuer forderte mehr als 30 Gebäudeder Brand am 30. September desselben Jahres, von der Thönschen Scheuer ausgegangen, legte 29 Gebäude nieder, und 12 Scheunen und Stallungen gingen am 26. März 1812 in der Burgstraße in Flammen auf. 

Daß die Brände früher häufig einen so erschreckenden Umfang annahmen, erklärt sich aus verschiedenen Ursachen. Zunächst waren die Häuser vielfach sehr eng aneinandergedrängt und ohne jede entsprechende Vorsicht gebaut. Sodann aber boten die mit Stroh gedeckten Gebäude und später die mit Strohdocken gedichteten Dächer wie überhaupt die ganz damalige Bauweise dem Feuer reiche Nahrung. Und schließlich fehlte ja auch eine geübte und ein rasches, zweckmäßiges Zugreifen gewöhnte Feuerwehr. 

Wenn nun auch die Brände in den letzten 100 Jahren nicht mehr so furchtbar gewütet haben wie in älteren Zeiten, so kann Gronau doch noch manches ernsthafte Schadenfeuer aufzählen:

1842 Scheunen und Hintergebäude der Blankestraße; der Brandstifter Ihssen erhielt eine 15jährige Kettenstrafe.

1846 die große Gesemannsche Scheune; der Brandstifter Kreinsen wurde mit 10jähriger Kettenstrafe belegt.

1848 17 Gebäude vom Apothekengarten bis zum Rienschen (jetzt Bodeschen) Eckhause.

1849 die Häuser vom Schilde bis zum Hause des Klempners Möhle am Leintor.

1879 die Heidtsche Papierfabrik.

1880 Dachstuhl des Hauses des Ackerbürgers B. Denecke; im gleichen Jahre, infolge Blitzschlags, die Stallgebäude des Hof- und Gastwirts U. Gesemann.

1881 die Windmühle auf dem "Hohen Escher".

1883 die Hintergebäude des Sattlermeisters Th. Tamme (jetzt Döpke) und des Hampelschen Hauses (jetzt Wilhelms) an der Junkernstraße.

1884 zwei auf der Straße stehende Fuder Korn und eine große dem Landwirt C. Bruns gehörige Weizendieme; dieser Brand ist deshalb merkwürdig, weil er gerade während einer Feier des Feuerwehrfestes zum Ausbruch kam.

1885 in der Nacht vom 15. zum 16. September 11 Scheunen in der Petersilienstraße zwischen Burgstraße und Schäferhof.

1886 Hintergebäude der Apotheke.

1887 die gesamte Heidtsche Papierfabrik, mit Ausnahme des Wohnhauses, des Kesselhauses und des Schornsteins.

1888 die große Scheune des Landwirts L. Bruns.

1892 das Grundstück F. Rickel (jetzt Klingeberg und Bock) auf der Südstraße.

1910 der Hof des Landwirts Gustav Hesse.

1912 die Schapersche Scheune an der Südstraße.

1913 Gebäude des Landwirts Denecke an der Nordstraße.

1917 Ein Teil der Zuckerfabrik.

Zweimal, 1886 und 1930, wurde der Turm der Matthäikirche vom Blitz getroffen, der aber glücklicherweise nicht zündete. Beim zweiten Male fuhr der Schlag im Turm, der elektrischen Leitung folgend, dicht neben der Orgel nieder, merkwürdigerweise ohne das Metallwerk zu beschädigen. Doch richtete er in vielen Häusern der Südstadt an den Licht- und Fernsprechanlagen allerlei Zerstörung an.

Seit 1917 ist Gronau von größeren Schadenfeuern verschont geblieben, bis auf zwei Dachstuhlbrände: 1929 im Hause Burgstraße Nr. 16 und 1931 (1. Juli) im Gemeindehause Südstraße Nr. 17.

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Lange Jahre - seit wann, weiß man nicht - hat in Gronau nur eine allgemeine, lose gefügte Bürgerfeuerwehr bestanden. Sie besaß 2 schwerfällige Kastenspritzen und scheint nicht sonderlich leistungsfähig gewesen zu sein. Ihre Nachfolgerin ist die heute noch vorhandene Pflichtfeuerwehr, der alle männlichen Einwohner zwischen 18 und 35 Jahren angehören müssen, soweit sie nicht der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten sind.

Im Jahre 1862 gründeten Mitglieder des hiesigen Männerturnvereins eine Turner-Feuerwehr. Sie erhielt von der Aachener-Münchener Feuerversicherung eine kleine zweirädrige Handspritze, die später in den Besitz der Stadt überging und bis heute ihre Pflicht redlich erfüllt hat; an die Stelle der früheren ledernen Wassereimer traten einige fahrbare Wassertonnen, mit denen das Wasser den Spritzen zugebracht wurde. Seit 1880 besteht auch noch eine eigene freiwillige Feuerwehr der Papierfabrik.

Dennoch aber stellte sich anläßlich des obenerwähnten Brandes bei dem Ackerbürger Denecke (am 10. Januar 1880) heraus, daß das Gronauer Feuerlöschwesen seiner Aufgabe nicht genügend gewachsen war. Noch im selben Jahr kam es zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr und damit zur Sicherung einer wirksamen Löschhilfe. Da die Wehr der Papierfabrik bereit ist, bei jedem Brande in der Stadt mit einzugreifen, so können jetzt im Notfalle etwa 200 Feuerwehrleute auf der Brandstelle erscheinen. Die Freiwillige Feuerwehr ist mit neuzeitlichen Lösch- und Rettungsgerätschaften ausgerüstet; als letzte hat sie im Jahre 1928 eine Benzin-Motorspritze erhalten, und die Stadt hat im Jahre 1929 eine tadellos arbeitende Feuersirene auf dem Rathause anbringen lassen. Hauptleute der Wehr waren  von 1880-1891 Franz Wolff, von 1891-1894 August Haase, von 1894-1902 Fritz Gödecke, von 1902-1910 Joseph Göttgens, von 1910-1913 Fritz Gödecke, von 1913-1928 Louis Hoffmeister, seit 1928 Carl Hampe. Kreisbrandmeister waren Franz Wolff, Hermann Husmann, August Schwertfeger aus Gronau und jetzt Hermann Kaune, Elze.

Als die Freiwillige Feuerwehr am 20. Juli 1930 ihr 50jähriges Bestehen feierte, da geschah es unter allgemeiner Beteiligung der Einwohnerschaft als ein echtes Volksfest, zu dem sämtliche Wehren des Kreises erschienen waren, ein Zeichen, daß man die Tätigkeit der Wehr zu schätzen weiß.

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Die inselähnliche Lage der Stadt Gronau zwischen den beiden Leinearmen führte wiederholt zu Hochwasser. Es werden von Röbbelen aus den Jahren 13424, 1468, 1486, 1532, 1541, 1744 und 1808 Wassersnöte berichtet. Die vor dem Leintor über beide Leinearme errichteten hölzernen Brücken konnten dann die Wassermengen, die besonders zur Zeit der Schneeschmelze vom Harze heranfluteten, nicht genügend durchlassen. Das Wasser staute sich und verwandelte das ganze Leinetal oberhalb der Stadt in einen See. Die Fluten überschwemmten verschiedene Straßen, was umso leichter möglich war, als diese früher etwa 1/2 Meter tiefer lagen als heute. Glaubwürdige Zeugen berichten, daß in solchen Tagen die Bewohner in Kähnen und Backtrögen die Straßen befahren hätten. Daß aber einmal, wie behauptet wird, ein Hochwasser die Höhe erreicht habe, die durch das eiserne Kreuz an der Westseite unseres Kirchturms bezeichnet ist, erscheint wenig glaubhaft.

Obwohl in den Jahren 1881 und 1902 die schmalen hölzernen Brücken durch weitspannende  eiserne ersetzt wurden, haben wir doch am 10. März 1881, am 5. Februar 1909 und am Silvestertage 1925 wieder Hochwasser erlebt. Besonders die Überschwemmung vom Jahre 1909 scheint alle früheren übertroffen zu haben. Die Apothekerstraße und die Burgstraße standen 60 Zentimeter hoch unter Wasser. Die Arbeiter der Papierfabrik muten mit Wagen und Kähnen an ihre Arbeitstätte gebracht werden. In sämtliche Keller war Wasser eingedrungen, und die Fluten führten allerlei Gerümpel, Bretter, Türen, Schafhürden, Baumstämme, auch tote Tiere, mit sich. Ein kleines bewohntes Haus am Südwall nahe der Brücke, lief Gefahr, fortgerissen zu werden; die Bewohner wurden unter Lebensgefahr gerettet.

Da die Eisenbahn das Überschwemmungsgebiet unterhalb der Stadt querte, war außer der Eisenbahnbrücke über die Leine auf Antrag der Stadt nach dem Hochwasser von 1909 noch eine zweite große Flutbrücke erbaut worden. Doch auch sie hat das Hochwasser zu Neujahr 1926 nicht verhindern können. Die Hochwassergefahr wird für das Leinetal erst beseitigt werden, wenn die von der Provinz mit Zuschüssen der Staatsregierung erbauten Talsperren im Söse- und Obertal vollständig in Betrieb genommen werden.

Bei wolkenbruchartigen Regen ist auch schon einige Male die von Barfelde kommende Despe über ihre Ufer getreten und hat an den angrenzenden Feldern und Gärten und in den Kellern der Gartenstraße Schaden angerichtet. In diesem Zusammenhange sei die hölzerne Brücke vom Nordwall über die Leine erwähnt. Sie ist erst 1908 für den Fußgänger- und Kleinwagenverkehr erbaut. Durch sie wurde eine Verbindung mit dem Bahnhof und für die Bewohner der Häuser jenseits der Bahn mit dem Innern der Stadt geschaffen. Die fleißige Benutzung zeugt von ihrer Notwendigkeit. Etwa 100 Meter Leineaufwärts befand sich zwar schon eine hölzerne, schmale, verschließbare Brücke, die Wildfangsbrücke genannt. Sie war aber Privateigentum. Wahrscheinlich von den Herren von Bock erbaut, ist sie zuletzt Eigentum des Landwirts H. Gesemann gewesen. Damit durch die im allgemeinen freigegebene Benutzung kein Übergangsrecht für alle hergeleitet werden konnte, pflegte der Besitzer sie zweimal im Jahr zu sperren.

 

-Ende Teil 8 -

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