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Die Geschichte der Stadt (1931)

Die Geschichte der Stadt, Teil 9

(Geschätzte Lesezeit: 3 - 6 Minuten)

Die Gesundheitsverhältnisse

Dem Mittelalter waren vorbeugende Maßnahmen gegen Krankheiten im allgemeinen ebenso fremd wie eine auf gründliche Kenntnis der Natur und des menschlichen Körpers beruhende ärztliche Kunst. So kann es nicht wunder nehmen, daß die Völker immer wieder  von den entsetzlichen Seuchen heimgesucht wurden, denen sie nahezu wehrlos ausgeliefert waren. Ihre Entstehung schrieb man dann bösen Geistern, Hexen oder sonstigen höheren Gewalten zu, oder man machte bestimmte Kreise, hauptsächlich die Juden, dafür verantwortlich. Infolgedessen bekämpfte man nicht die Krankheiten, sondern deren vermeintliche Urheber, und der Erfolg war, da´der Tod stets reiche Ernte hielt.

Gronau bildete von dieser Regel keine Ausnahme. Die Stadt hat wiederholt unter verheerenden Seuchen zu leiden gehabt. So wird das Wüten der Pest berichtet für die Jahre 1348 bis 1352, 1450, 1453, 1472, 1502, 1566, 1579 und 1624 bis 1626. Wenn nun auch unsere Vorfahren mit der Bezeichnung "Pest" ziemlich freigebig verführen, und darunter jede schwere ansteckende, mit beulenartigem Ausschlag verbundene Krankheit verstanden, so  ist doch wohl sicher, daß diese Seuche hier häufig geherrscht hat. Genauere Nachrichten haben wir nur über ihr letztes Auftreten, das über 700 Einwohner dahinraffte, zwei Drittel wohl der gesamten Bevölkerung. Eine besonders heftige Pestart war der sogenannte "englische Schweiß"; ihm fiel im Jahre 1529 der dritte Teil der Gronauer Bevölkerung zum Opfer. Als 1680 von Leipzig her eine neue Seuche vorzudringen drohte, wußte man der Gefahr bereits durch umfangreiche Absperrungsmaßnahmen zu begegnen. Auch die fürstbischöfliche Regierung zu Hildesheim war auf der Hut: am 9. Juli ging an den Rat der Stadt Gronau eine genaue Verhaltungsvorschrift, und unsere Heimat blieb verschont.

Fortschreitende ärztliche Wissenschaft im Verein mit strengen behördlichen Einrichtungen auf dem Gebiete des Gesundheitswesens vermochten seitdem Seuchen mittelalterlichen Ausmaßes fernzuhalten. Wohl traten noch hin und wieder ansteckende Krankheiten wie Blattern, Typhus, Diphtheritis auf, und im Jahre 1892 schien es sogar, als wolle von Hamburg über Celle und Hildesheim die Cholera heranrücken, aber die Gefahren wurden durch Vorbeuguns- und Abwehrmaßnahmen bald behoben.

Zur Unterstützung der Gesundheitspolizei wacht über die gesamten Gesundheitsverhältnisse in der Stadt Gronau ein Gesundheitsausschuß (Sanitätskommission).

Im Jahre 1889 erhielten die Hauptstraßen teilweise eine Entwässerungsanlage; dadurch wurde mancher Übelstand beseitigt. Da ferner die hiesigen Brunnen ein gutes Trinkwasser liefern und in den Straßen für Sauberkeit gesorgt wird, auch die Wohnungsverhältnisse im ganzen günstig und die Schulräume tadellos sind, so darf man die notwendigsten Voraussetzungen für einen guten Gesundheitszustand der Einwohnerschaft als erfüllt bezeichnen. Seit einigen Tagen besteht auch eine Flußbadeanstalt an der Leine, außerdem können in der Ev. Volksschule, im Savigny-Stift und im Johanniter-Krankenhause Wannenbäder genommen werden. Nur der Wunsch nach einer Wasserleitung hat sich bislang der hohen Kosten wegen noch nicht verwirklichen lassen. Die Stadtverwaltung hat jedoch vorsorglich bereits vollständige Pläne für Wasserleitung und Entwässerung anfertigen lassen, welche natürlich erst bei besseren wirtschaftlichen Verhältnissen ausgeführt werden können.

Es waren in Gronau immer 2 oder 3 Ärzte tätig, zur Zeit sind es 3 Ärzte und eine Ärztin und ein Zahnarzt. Ferner wirkt hier ein Dentist. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte die Stadt 3 Apotheken. Die eine befand sich am Markte, im früher Plathner jetzt Knoch gehörenden Hause, die zweite auf der Südstraße und die dritte in dem noch jetzt als Apotheke dienenden Gebäude. Apotheker Forke aus Sarstedt, der im Jahre 1718 die Genehmigung erhielt, in Gronau eine Apotheke zu betreiben, vereinigte die 3 vorhandenen zu einer. Später wurde die Apotheke Eigentum der Familie Horn, danach erwarb sie Bredemann, und seit 1898 ist sie im Besitz der Familie Rintelen.

Ein Krankenhaus bekam Gronau erst im Jahre 1870, als ein unbekannter Wohltäter der katholischen Kirchengemeinde den "Savigny-Stift" schenkte; es wurde 1871 durch Bischof Wilhelm Sommewerk dem Dienste der Kranken geweiht. Ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntnis fanden hier die Kranken unserer Stadt liebevolle Aufnahme und Pflege, aber auch außerhalb des Stiftes waren die Verwalterinnen des Hauses, Barmherzige Schwestern, unermüdlich in der Krankenbetreuung tätig. Seit 1908 dient das Stift nur noch als Altersheim. In diesem Jahre nämlich wurde von dem Johanniter-Orden mit Unterstützung des Vaterländischen Frauenvereins, des Kreises und der Stadt Gronau am Bantelner Wege ein großes neuzeitliches Krankenhaus erbaut, das Johanniter-Krankenhaus. Das Zustandekommen dieser segensreichen Gründung ist vor allem dem damaligen Landrat des Kreises Gronau, von Rheden, und seiner Gattin zu danken. Die Einweihung, die in Gegenwart des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen stattfand, gestaltete sich zu einer großen öffentlichen Feier. Das Johanniter-Krankenhaus hat nicht nur für die Stadt un den Kreis Gronau, sondern auch für die angrenzenden Ortschaften, besonders auch für die Stadt Alfeld, die kein eigenes Krankenhaus besitzt, eine wertvolle Tätigkeit entfaltet. Mit allen Errungenschaften der Gegenwart ausgestattet, konnte es stets allen Ansprüchen voll genügen und vielen Leidenden Heilung und Linderung bringen. 50 Betten stehen zur Verfügung. Die Leitung hat seit Bestehen des Hauses Oberin Freiin Gertrud von Bothmer; den Krankendienst versehen durchschnittlich 10 Schwestern und Helferinnen. Leitende Ärzte waren Sanitätsrat Dr. Flügge, Dr. Lichtenberg und zur Zeit Dr. Minssen. Während der Kriegszeit bewährte sich das Krankenhaus als Hilfslazarett.

Im Frühjahr des Jahres 1906 wurde auf Anregung des damaligen Vorsitzenden des Kriegerklubs Gronau, des Kreissekretärs Mörs, eine Einrichtung ins Leben gerufen, die sich ebenfalls für die leidenden Mitmenschen unserer Gegend sehr segensreich erweisen sollte: die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gronau. Ihre Mitglieder werden durch einen Kolonnenarzt (früher Dr. Flügge, jetzt Dr. Minssen) in allen einschlägigen Angelegenheiten, wie erster Hilfe bei Unglücksfällen, Anlegen von Verbänden, Verhalten bei Feuersbrünsten, Überführung von Kranken usw., ausgebildet. Es gehören der Kolonne zur Zeit 66 tätige Mitglieder an; darunter befinden sich allerdings einige Angehörige auswärtiger Feuerwehren, die zur Ausbildung im Sanitätsdienst der Kolonne beigetreten sind. Auf diese Weise hat die Sanitätskolonne Gronau Arbeitsgruppen in Banteln, Barfelde, Betheln, Brüggen, Eime, Dunsen und Eitzum. Da sie seit dem Jahre 1930 auch einen Krankenkraftwagen besitzt, erstreckt sich ihre Überführungstätigkeit auf den ganzen Kreis Gronau.

Erwähnen wir zum Schlusse noch die Tatsache, daß im Jahre 1930 auch der Zweigverein Gronau des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz erstmalig junge Mädchen und Frauen als Samariterinnen hat ausbilden lassen - der Lehrgang fand im Johanniter-Krankenhause statt -, so dürfen wir wohl sagen, daß das Gesundheitswesen unserer Stadt, die übrigens auch gemeinsam mit dem Vaterländischen Frauenverein eine Gemeindeschwester vom Henriettenstift in Hannover unterhält, recht gut geordnet ist.

 

- Ende Teil 9 -

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